Bob Dylan

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Video: Bob Dylan- Knockin' on Heaven's Door \"Original\" 2021, August

Anonim

Liebe und Diebstahl

  • Columbia

Vier Jahre nach der Veröffentlichung der gefeierten, wenn auch offen überbewerteten Time Out of Mind ist Bob Dylan mit einem weitaus besseren Album zurückgekehrt. Love and Theft verfolgt die Wurzeln des amerikanischen Folk, Country und Blues und bringt sie auf brillante Weise in das neue Jahrhundert. Es ist eines von Dylans besten und eines der beständigsten Alben, die er in den letzten 20 Jahren veröffentlicht hat.

Im Gegensatz zu den unterirdischen dunklen Visionen, die seine früheren Bemühungen dominierten, klingt Dylan hier immer noch hart, aber mit einer klareren Perspektive. Er zeigt Blitze seines stechenden Sinns für Humor, etwas, das in den letzten Jahren aus seinem Schreiben herausgerutscht war. Und er ist sehr bewusst zur Melodie zurückgekehrt und hat seine knarrende und zerlumpte, 60 Jahre alte Stimme aus der Flaute der unteren Oktave gehoben, die sie fast die ganze Zeit über aus dem Kopf hatte.

Das zeigt sich deutlich in „Moonlight“, einem ruhigen Liebeslied, das perfekt zu Willie Nelsons Vintage-Stardust-Album gepasst hätte, wenn es nur 1945 geschrieben worden wäre. Dieses Gefühl der Zeitlosigkeit taucht immer wieder auf, besonders bei Songs wie „ Bye and Bye “, in dem der Barde das Lob der Liebe vor einer leicht schwingenden musikalischen Kulisse singt, die an ein Orchester auf dem Dach aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert.

Aber dieser Swing ist nichts im Vergleich zu den Juke Joint Jumpin 'Summer Days', bei denen Dylan mit Inbrunst gegen einen ausgelassenen Backbeat und brutzelnde Gitarrenriffs singt.

Obwohl die Scheibe musikalisch verschieden ist, erinnert sie manchmal an einfache und reine Dylan-Angebote aus der Mitte der Periode wie Nashville Skyline und New Morning. Einer der besten Tracks der CD, "Po 'Boy", hätte leicht auf New Morning passen können, bis hin zu seiner leisen Melodie und den ironischen Texten.

Das Album enthält eine Handvoll sehr grobkörniger Rocker mit Blues-Geschmack, aber sie sind im Allgemeinen nicht so interessant wie die anderen Tracks. Aber die Dringlichkeit von „Honest With Me“im Stil des Highway 61 oder der bewusstere „Lonesome Day Blues“lässt sich nicht leugnen.

Seine kreativen Comebacks wurden in den letzten Jahrzehnten vielleicht zu oft angekündigt. Aber dieses Album, Dylans 43., ist nicht nur eines seiner besten, es ist eines der besten von irgendjemandem im Jahr 2001.

Kevin O'Hare